Zwei Ikonen, eine zeitlose Silhouette, eine Capsule Collection, die zeigt, was passiert, wenn Archiv auf Gegenwart trifft.
Es gibt einen bestimmten Moment, in dem ein Objekt aufhört, ein Produkt zu sein, und zu einem kulturellen Symbol wird. Für die Aviator von Ray-Ban trat dieser Moment vor Jahrzehnten ein, und seitdem hat die tropfenförmige Fassung – schlank, aus Metall und aus zehn Metern Entfernung wiedererkennbar – nichts mehr zu beweisen.
Und doch hat sich neunzig Jahre nach ihrer Einführung etwas verändert. Nicht die Silhouette, nicht der Charakter, sondern die Art und Weise, wie sie erzählt wird.
Eine Partnerschaft mit tiefen Wurzeln
Bevor man versteht, was diese Capsule Collection ist, lohnt es sich zu verstehen, woher sie kommt.
Dolce&Gabbana und EssilorLuxottica, der Konzern hinter Ray-Ban, arbeiten seit über zwanzig Jahren zusammen. Im März 2026 verlängerten sie ihre Lizenzvereinbarung für die weltweite Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Dolce&Gabbana-Brillen bis 2050. Keine gewöhnliche Verlängerung, sondern ein langfristiges Bekenntnis, das gegenseitiges Vertrauen und eine gemeinsame Vision signalisiert.
Die Capsule Collection mit Ray-Ban ist das erste sichtbare Ergebnis dieses neuen Kapitels. Kein kommerzielles Zweckprojekt, sondern eine kreative Übung zwischen zwei Marken, die sich gut kennen, dieselbe Sprache sprechen – die des italienischen Luxus – und sich entschieden haben, sie durch ein bestimmtes Objekt auszudrücken: die Aviator in ihrem Jubiläumsjahr.

Zwei Modelle, zwei gegensätzliche Ausdrucksformen
Die Capsule Collection basiert auf zwei Silhouetten: der Shooter und der Outdoorsman II. Dieselbe Aviator-DNA, aber ein völlig unterschiedlicher Charakter.
Die Shooter: die Vergangenheit als Statement
Die Shooter ist das offensichtlich archivbezogenere Modell – und sie macht keinerlei Versuch, dies zu verbergen.
Der obere Steg aus Perlmutt ist das Erste, was ins Auge fällt: ein handwerklicher Verweis zwischen Schmuckkunst und Industriedesign, fest verwurzelt in der italienischen Tradition. Die integrierte Zigarettenhalterung, ursprünglich für militärische Scharfschützen der 1930er-Jahre entwickelt, bleibt erhalten – nicht wegen ihrer Funktion, sondern wegen ihrer Geometrie. Sie unterbricht die Linienführung der Fassung auf eine Weise, die bewusst, beinahe theatralisch wirkt.
Die tropfenförmigen Gläser sind in fünf Farben erhältlich: Orange, Pink, Grün, Blau und Gelb, jeweils mit transparentem oder verspiegeltem Finish. Die Logos von Ray-Ban und Dolce&Gabbana sind direkt auf der Glasoberfläche angebracht – nicht in einer Ecke versteckt, nicht dezent gedruckt. Zentral platziert und ohne Zurückhaltung.
Was die Shooter vermittelt, ist eine Idee von Präsenz. Sie ist keine Fassung, um in der Menge unterzugehen. Sie ist eine Fassung für Menschen, die verstehen, dass eine starke ästhetische Entscheidung, mit Überzeugung getroffen, ihre eigene Form von Eleganz ist.
Die Outdoorsman II: Zurückhaltung als Raffinesse
Die Outdoorsman II verfolgt den entgegengesetzten Ansatz, und genau das macht sie interessant.
Der markante obere Steg verleiht ihr sofort ein grafisches Profil: kraftvoll, strukturell und architektonisch klar gelöst. Doch die schlanke Metallkonstruktion nimmt dem Ganzen die Schwere und erzeugt eine Spannung zwischen Gewicht und Leichtigkeit, die schwer zu erreichen und leicht zu schätzen ist. Der randlose Effekt, dieser bewusste Abstand zwischen Glas und Fassung, ist kein Detail. Er ist der Kern des Designs. Raum als bewusste gestalterische Entscheidung.
Die Gläser sind in denselben fünf Farben wie bei der Shooter erhältlich, verspiegelt oder transparent, und tragen beide Logos. Doch hier zeigt sich die Handschrift von Dolce&Gabbana eher in der Konstruktion als in der Dekoration. Sie liegt in den Proportionen, im Finish und in der Art, wie die Fassung im Gesicht sitzt.
Aus der Distanz wirkt die Outdoorsman II wie eine verfeinerte Aviator. Aus der Nähe versteht man genau, was sie ist. In diesem Abstand zwischen erstem Eindruck und vollständigem Verständnis lebt ihr Design.

Was uns diese Capsule Collection über italienischen Luxus heute erzählt
Die Dolce&Gabbana × Ray-Ban Capsule Collection lediglich als Produkteinführung zu betrachten, wäre ein Fehler.
Interessanter ist es, sie als methodisches Statement zu lesen: Zwei Marken mit sehr starken Identitäten und scheinbar unterschiedlichen Positionierungen finden ein gemeinsames Terrain, ohne dass eine von beiden zurücktreten muss.
Ray-Ban bringt die Form, die Legende und die Geschichte der Aviator mit. Dolce&Gabbana bringt die Ornamentik, die Sinnlichkeit und den Verweis auf das Archiv der italienischen Mode der 1980er-Jahre ein. Gemeinsam schaffen sie etwas, das weder das eine noch das andere ist: etwas Drittes mit einer eigenen Stimme.
In einer Zeit, in der Luxuskooperationen Gefahr laufen, eher Marketingübungen als Designprojekte zu werden, entscheidet sich diese Capsule Collection für die Rückkehr zum Objekt. Zwei Modelle. Ein Etui. Eine präzise Vorstellung davon, was es bedeutet, eine Ikone neu zu interpretieren, ohne ihre Bedeutung zu verwässern.
Die Aviator wird neunzig. Und man sieht es ihr nicht an.





















