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Versace Eyewear: Three directors in one year. Only one identity

Von Donatella zu Vitale, von Vitale zu Mulier: Zwischen 2025 und 2026 erlebte Versace die schnellste kreative Revolution seiner Geschichte. Dennoch erzählen die Brillenkollektionen eine andere Geschichte.

Ein Modehaus, drei Visionen, zwölf Monate

Manche Marken überstehen Veränderungen, weil sie groß genug sind, sie aufzufangen. Dann gibt es Versace: ein Modehaus, das innerhalb eines einzigen Jahres einen beispiellosen Wandel durchlief und dennoch dort, wo es am meisten zählt – im Gesicht – visuell unverändert blieb.

Im März 2025 tritt Donatella Versace nach siebenundzwanzig Jahren als Creative Director zurück. Es ist keine Kapitulation, sondern ein bewusster Übergang, getragen von dem Selbstvertrauen einer Person, die das Gewicht dessen, was sie weitergibt, genau kennt. Seit 1997, dem Jahr von Giannis Tod, hatte Donatella nicht nur ein Modehaus bewahrt, sondern auch eine sofort erkennbare visuelle Sprache. Und nirgendwo ist diese Sprache unmittelbarer als bei Brillen.

Denn Versace wird nicht nur auf dem Laufsteg gelesen, sondern auf Augenhöhe getragen. Die Medusa auf dem Bügel, das Greca-Muster, das den Rahmen umschließt, das Gold, das das Licht in übergroßen Gläsern reflektiert: Hier wird die Marke augenblicklich erkennbar. Ihr Vermächtnis misst sich nicht allein an Kollektionen, sondern daran, wie schnell eine Sonnenbrille auf der anderen Straßenseite identifiziert werden kann.

Im April kommt Dario Vitale von Miu Miu, wo er als Design Director tätig war. Er wird zum ersten Außenstehenden, der sowohl Versace-Brillen als auch Ready-to-Wear-Kollektionen gestaltet – ein historischer Wandel. Seine einzige Kollektion, die im September 2025 präsentiert wird, deutet auf eine etwas zurückhaltendere Richtung hin: weniger theatralisch, stärker strukturiert und näher an den Codes italienischer Schneiderkunst. Selbst die Brillen aus seiner kurzen Ära vermitteln bereits ein ruhigeres Selbstbewusstsein – dieselben Symbole, aber mit weniger Volumen und weniger Lautstärke.

Dann, im Dezember, verlässt Vitale das Haus, während die Prada Group die Übernahme abschließt. Der Übergang erfolgt abrupt, beinahe klinisch.

Im Februar 2026 folgt die Ankündigung, auf die die Branche gewartet hat: Pieter Mulier, der belgische Designer, bekannt für seine Arbeit bei Alaïa, wird ab Juli 2026 neuer Chief Creative Officer von Versace.

Drei Kreativdirektoren. Drei Ästhetiken. Eine Produktkategorie, die kaum mit der Wimper zuckt: Brillen.

Wer ist Pieter Mulier – und warum ist das für Brillen relevant?

Um zu verstehen, was Versace-Brillen unter Mulier werden könnten, muss man zunächst seine Designsprache verstehen.

Bevor er in die Mode wechselte, studierte Mulier Architektur. Seine Karriere entwickelte er an der Seite von Raf Simons und übernahm dabei einen disziplinierten Ansatz zur Formgebung, der Konstruktion über Dekoration stellt. Bei Jil Sander, Dior, Calvin Klein und später Alaïa war seine Arbeit stets von Reduktion geprägt: Alles Nicht-Essenzielle wird entfernt, bis nur noch die Struktur bleibt.

Bei Alaïa, das er seit 2021 leitete, wurde diese Philosophie besonders deutlich. Seine letzten Kollektionen, darunter Frühjahr/Sommer 2026, reduzierten Kleidung auf reine Form: präzise, kontrolliert und beinahe skulptural. Nichts Übertriebenes, nichts Überflüssiges, nichts Lautes.

Brillen unter Mulier werden jedoch der eigentliche Prüfstein sein.

Denn bei Brillen wird Übermaß sofort sichtbar. Es gibt keine Distanz des Laufstegs, keinen Puffer durch Styling, keine narrative Schichtung. Ein Gestell sitzt direkt im Gesicht. Es spricht – oder es spricht nicht.

Versace hat immer laut gesprochen. Genau deshalb ist Muliers Ernennung so faszinierend: nicht weil ihm die Fähigkeiten fehlen würden, sondern weil er aus einer Designkultur kommt, in der Stille als Tugend gilt, und nun zu einer Marke wechselt, bei der Sichtbarkeit das zentrale Prinzip ist.

Was bleibt, wenn sich alles verändert: Der Brillen-Code

Trotz der Turbulenzen an der Spitze bleibt Versace Eyewear in seinem zentralen Vokabular strukturell unverändert.

Das Greca-Motiv prägt weiterhin die Bügel optischer Fassungen und Sonnenbrillen – ein kontinuierlicher geometrischer Rhythmus, inspiriert von der antiken griechischen Kunst. Die Medusa bleibt in Metallplaketten und skulpturalen Scharnieren verankert und fungiert weiterhin als visuelle Abkürzung zur Wiedererkennung. Goldene Oberflächen, markantes Acetat und übergroße Proportionen: Das System bleibt intakt.

Tatsächlich sind Brillen das stabilste Archiv der Versace-Identität.

Im Gegensatz zu Ready-to-Wear, das sich mit jedem Kreativdirektor deutlich verändert, existieren Brillen in einer anderen zeitlichen Dimension. Sie sind saisonal, aber zugleich dauerhaft. Kommerziell, aber auch symbolisch. Innerhalb einer Kollektion entworfen, aber unabhängig von ihr getragen. Sie müssen außerhalb des Laufstegkontexts bestehen – auf echten Gesichtern, bei echtem Licht und in echter Bewegung.

Die Frühjahr/Sommer-2026-Brillenkampagne, fotografiert von Frank Lebon, unterstreicht diese Kontinuität. Die Sprache bleibt vertraut: „Zusammenprall von Couture und Straße“, „Erbe von Magna Graecia“, „kompromisslose Individualität“.

Versace-Brillen heute: Welche Modelle wählen?

Für diejenigen, die den reinsten Ausdruck der Versace-Identität suchen, bleiben die ikonischsten Fassungen jene, die die Medusa in den Mittelpunkt stellen: markante Bügel, skulpturales Acetat und kraftvolle geometrische Linien. Das sind keine subtilen Objekte – sie sind Statements.

Für eine zeitgemäßere Interpretation verfeinern die jüngsten Kollektionen dieselben Codes zu leichteren Silhouetten. Cat-Eye- und Aviator-Formen werden mit Greca-Details neu interpretiert – etwas kontrollierter, aber immer noch unverkennbar Versace.

Bei Brillen geht es bei Versace nie wirklich um Zurückhaltung versus Exzess. Es geht um Sichtbarkeit. Es geht darum, wie viel Identität man bereit ist, direkt im Gesicht zu tragen.

Denn jede Versace-Brille ist bereits ein Statement – unabhängig davon, wer auf dem Stuhl des Creative Directors sitzt.

Und in diesem Sinne bleibt, egal wie viele Namen sich über dem Atelier ändern, der wahre Designer der Versace-Brillen derselbe: das System selbst.